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Full text of "Zur egyptischen Forschung Herodot's: Eine kritische Untersuchung"

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ZUR 



EGTPTISCHEN FORSCHUNG 



HERODOT'S. 



EINE KBITISCHE UNTERSUCHUNG 



VON 



MAX FÜDINGER 

COKRESP. MITGLIBDE DER KAIS. AKADKMIK DKB WI8SENBCHAFTKN. 



^WIEN, 1873. 



IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN 

BUCHHImDLBB der KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ^ 



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Am diTM D«6MiWrli€fl« des JabrfugM 1872 der tätzongsbenchta der pkiL-hist. daaae 
%»M, AlUMiMiie der WiMeBichaftoB (LXXIJ. Bd. S. 563) W«wd«n akgedrackt. 



j 



Druck Ton Adolf IIolihKUivn in Wi«u 
ll. k. UBWirtliau-nuabdruakcr«!. 



§. 1. Oesammtaiilage des Werkes. 

JDie Redaction des uns vorliegenden herodoteischen Ge- 
schichtswerkes bestimmt Kirchhoff, ^ indem er von der Voraus- 
setzung ausgeht, dass die Arbeit auch in der uns vorliegenden 
Reihenfolge ihrer Stücke geführt sein müsse und die so häu- 
figen Anspielungen auf gleichzeitige Ereignisse als entscheidende 
Beweise für die Entstehung der einzelnen Theile anzusehen 
seien. Wenn gegen die letztere Annahme schon bemerkt wor- 
den ist, 2 dass eine frühere Abfassung spätere Hinzufügungen 
nicht schlechthin ausschliesse, so ist vollends nicht leicht ab- 
zusehen, wie der Beginn des siebenten Buches sich anders als 
aus dem Umstände erklären lasse, dass derselbe den Anfang 
einer selbständigen Darstellung bilde. 

Es ist schon von anderer Seite erörtert worden, dass hier 
(III, 1 — 10) eine ganze Reihe von Personen, die der Leser aus 



^ Ueber die Abfassungszeit des herodoteischen Geschichtswerkes. Abb. 

der Berliner Akademie 1868 und , nachträgliche Bemerkungen* hiezu, 

ebendas. 1871. 
2 G. Rawlinson, history of Herodotus 2"^ ed. London 1862, I. 21, hebt 

einige derartige ^parenthetische* Stellen mit Bücksicht auf die nun abge- 

thane angebliche Gesammtabfassung in Thurii hervor. 



4 Büdinger. [564] 

den jetzt vorhergehenden Theilen längst kennt — Danas und 
sein Bruder Artabanus, Mardonius, der Spartanerkönig Dema^- 
ratos — noch einmal wie Unbekannte mit den Namen ihrer 
Väter genannt sind; dazu wird ein so ausführlich (V, 101) ge- 
schildertes Ereigniss, wie die Verbrennung von Sardes noch 
einmal als nicht zu vergessende Beleidigung der Perser er- 
wähnt. 

Wenn KirchhoflF in überzeugender Weise die Glaubwür- 
digkeit der Nachrichten betont, ^ welche beides, die Vorlesung 
von herodoteischen Büchern und des Autors Belohnung mit der 
hohen Summe von zehn Talenten aus dem atheniensischen 
Staatsschatze zwischen Mitte 446 und 444 versichern, so dürfte 
doch schwer zu begreifen sein, wie die uns jetzt vorliegenden 
dritthalb ersten Bücher ^ diese gewiss richtige Angabe erklären 
sollen. Denn von dem zweiten Buche wird man kaum anneh- 
men können, dass es für öflFentlichen Vortrag vor einem an 
kunstgemässe Ordnung gewöhnten Publicum besonders geeignet, 
noch in seinem losen Gefüge darauf angelegt sei, durch span- 
nende Darstellung zu fesseln. Und wenn auch der Antragsteller 
Anytos, wie KirchhoflF ^ annimmt, auf Perikles' Veranlassung 
zu Gunsten des Geschichtschreibers aufgetreten ist, so wird 
doch Niemand sagen können, wie die Honoriruhg eines Autors 
mit einer Summe, welche genau der für Bestechung der Spar- 
taner zur Abwendung dringendster Staatsgefahr aufgewendeten^ 



* Abfassnngszeit, S. 11. 

2 Bis III, 88. Kirchhoff, Abfassungszeit 6. Bemerkungen S. 56 setzt er ,die 
Abfassungszeit der drei ersten Bücher in die Zeit von etwa 445 bis An- 
fang 443^ 

3 Abfassungszeit 11. 

* Tou nspixX^ou^ ev TW TT)? OTpaTrjY^as otcoXoykjjjlw 8/xa TaXavTwv avaX(o[xa ypot- 
(j/avTo; avir]Xa)[x^va)V &U "^^ ^^ov d. h. für Kleandridas* Bestechung 6 S^{xoc 
^eB^aTo [J.7J 7coXu7cpaY[xovi{aa? [ufi* iX^y^a^ t^ ojco^^tjtov. Nach Anderen 
habe er jährlich die gleiche Summe für Bestechungen in Sparta aufge- 
wendet. Plut Pericles 22. Das dürfte der Scholiast zu Aristophanes^ 
Wolken V. 859 (ed. Didot p. 118) auf eigene Hand aus Ephoros — der 
für Plutarch wie für ihn die Quelle ist (vgl. Sauppe, die Quellen Plu- 
tarchs für das Leben des Pericles. GÖttingen 1868. S. 35) — zusammen- 
gezogen haben, wenn er von zwanzig el^ to 8^v verrechneten Talenten 
spricht und fortfährt: <pr]<ji 8k "E^opo? oti [xetoc rauTa (xaOiSvTSi ol AaxeSat- 
[jidvioi KXeavSpföTjv (j.ev e8i{(i.£uaav x. t. X. 



[565] Zur egyptischen Forachnng HerodoVs. 5 

entspricht, mit den dritthalb ersten, Athen kaum (I, 59 — 65; 
II, 7, 177, allenfalls I, 29-34, 86; II, 156) berührenden Büchern 
allein begründet werden konnte. Dazu stelle man sich vor, 
dass Ifeide Posten in demselben Jahre ', oder doch in zwei auf 
einander folgenden verausgabt und in der Volksversammlung 
erwogen worden sein müssen. 

Wenn dagegen Herodot die drei letzten Bücher des uns 
vorliegenden Werkes — abgesehen von den Hinzufügungen 
seiner späteren Jahre und damals schon redigirten und publi- 
cirten früheren Abschnitten — bald nach dem Abschlüsse des 
dreissigjährigen Friedens mit Sparta (Anfang d. J. 445) in 
Athen öffentlich vorlas, so begreift man beides, die Begeiste- 
rung der Hörer und die ungewöhnliche Belohnung des Autors. 

Denn hier zuerst lag eine künstlerisch geordnete und zu 
mündlichem Vortrage vorzüglich geeignete Erzählung der Tha- 
ten vor, welche die Athener im Bunde eben mit den Spartanern 
gegen den grossen Nationalfeind vollbracht hatten. Mit der 
siegreichen Heimkehr nach Griechenland ^ von der dem Tro- 
janerkriege vergleichbaren Fahrt nach dem Osten und speciell 
der Athener nach der von ihnen allein vollendeten Eroberung 
von Sestos war ein würdiger Abschlüsse der Geschichte wie 
der alten Allianz, so des Befreiungskampfes gegeben. 

Mit ihren eigenen Thaten war aber der Vorleser in der 
Lage, den Athenern auch authentische Kunde von den Vor- 
gängen im Lager des Xerxes durch genaue Mittheilungen zu 



^ Der betreffende Einfall der Spartaner unter Pleistoanax und Kleandridäs 
fällt in das Jahr 446; vgl. Schäfer, de rerum post bellum Persicum — 
gestarom temporibus (Lips. 1865) p. 7. 

3 TauToi Sk ;coti^aavT£; obc^nXcoov (ol ^AOT]vaibi) i; tt^^v ^EXXada toc te oXXa )(^pi{- 
(Jtoia OYoVTE^ xai S^ xat TOt OTuXa TbSv y^^up^cov co^ avaOijTOVTe^ S( toc Ipa. 
IX, 121. Das folgende, letzte Capitel aus der Ahnengeschichte des nach 
der Einnahme von Sestos geopferten Satrapen ist ein Nachtrag zu der 
Cap. 116 erzählten eigenen Vorgeschichte dieses Beamten, dem Autor 
erst bei einer spätem Redaction bekannt geworden und in unserm Text 
an den unrechten Ort gerathen. 

3 Mit dieser Beschränkung auf die drei letzten Bücher wird man die Mei- 
nung G. Bawlinson^s (Herod. IV, 389 n.) billigen können, dass das Werk 
historisch und künstlerisch, wenn nicht gänzlich zu Ende gebracht, doch 
abgeschlossen (concluded) sei: the tail of the snake is curved round into 
his mouth, meint der Yfr. mit seltsamer Emphase. 



6 Bfidinger. [566] 

geben, welche er kleinasiatischen fürstlichen Geschlechtem, 
dem seiner Vaterstadt und namentlich der in Mysien lebenden 
Familie des vertriebenen Spartanerkönigs Demaratos, wenn 
nicht Aufzeichnungen dieses einsichtigen Verbannten selbst zu 
danken hatte. * Es sind das Nachrichten, welche sich nach 
ihrem Quellenwerthe den von Thukydides später benutzten 
des Themistokles vergleichen lassen, für die Athener aber die 
erwünschteste Ergänzung für die Hergänge ihrer ruhmvollen 
Befreiungskämpfe bildeten. 



§. 3. Charakter des zweiten Buches. 

Wenn es nach allen diesen Erwägungen unwahrschein- 
lich ist, dass Herodot's Werk in der uns vorliegenden Ordnung 
seine erste Redaction erhalten habe, und zuerst zur VeröflFent- 
lichung gelangt sei, so dürfte doch eine Reihe der von Kirch- 
hofF angestellten Beobachtungen für die Schlussredaction der 
Arbeit als bleibender Gewinn der Forschung anzusehen sein.^ 



^ Die Phrase von erfundenen Reden trifft nicht für die Unterredungen Demarate 
mit Xerxes (III, 101 — 105, 209, 234-239), dessen Lachen (103, 105) 
und Berührung (238) so sorgfältig notirt sind. (Man vergleiche dazu 
die Wunder und Reden VI, 61, 68, 69) Die Anecdote III, 239 ist aber ein 
Nachtrag aus anderer und schwerlich guter Quelle. — Eine Analogie 
bieten die den gewöhnlichen Vorstellungen so ganz widersprechenden 
und doch sonst belegbaren Nachrichten über Darius und auch über sein 
Verhältniss zu Atossa (III, 134), die nur auf Demokedes zurückgehen 
können, wie auch Kirchhoff, Abfassungszeit S. 14, anzunehmen scheint, 
indem erden ganzen auf Demokedes bezüglichen Abschnitt III, 129 — 138 
auf ,Localtradition von Kroton und Tarent' zurückführt; aber ,an sich 
unbedeutend' ist dieser Abschnitt gewiss nicht, da er zahlreiche Auf- 
schlüsse von hoher Wichtigkeit für den skythischen wie den griechischen 
Krieg enthält 

^ Auch für unsere Zwecke wichtig ßind namentlich die Beweise, dass III, 
118 flgde, als in einer füt echt zu haltenden Stelle der Antigone v. 905 
benutzt, vor deren Vollendung Spätherbst 442 publicirt gewesen sein 
müsse (Abfassungszeit 9 flg.), und dass I, 51 nach Sommer 447 zu setzen 
ist (Bemerkungen 50 — 56). Die persischen Geschichten würden hieuach 
mit Ausschluss des zweiten Buches, sowie der Episode von Demokedes 
und der von Zopyros (III, 150—160), welche letztere mündlicher Mit- 
theilnng des um d. J. 438 (Kirchhoff, Entstehungszeit 16) nach Athen 
geflüchteten Enkels desselben entstammen dürfte — als ein vielleicht nur 



[567] Zur egyptischen Forschnng Herodot^s. 7 

Unseres Autors ethnographisch-historische Darstellung Egyptens 

— die A^Y'^'J^Tioi Xdyot, wie er die Arbeit gleich seinen assyri- 
schen, * seinen libyschen (11, 161, IV, 159 — 200) Darstellungen 
und anderen Elementen seiner Sammlung genannt haben dürfte 

— d. h. vom zweiten Capitel des zweiten Buches bis zum 
Ende desselben bildet aber durchaus ein geschlossenes Ganzes, 
für dessen Einfügung in die uns jetzt vorliegende Gesammt- 
gestaltung des Werkes chronologische Anhaltspunkte äusserer 
Art schlechterdings nicht vorliegen. 

Denn unmittelbar schliesst sich an das Ende des ersten 
Capitels des zweiten Buches der Anfang des dritten Buches 
an: Kambyses, heisst es dort, unternahm den Feldzug gegen 
Egypten dtXXou? Te TcapaXaßcov töv vjpxe x.al Byj xal 'EXXi^vwv twv 
iTCexpöeT££5 hier aber wird fortgefahren "Iü)va(; ts ym Alokiac Si' 
aWrjv ToiT^vBs, so dass der Leser in ungestörtem Zusammenhange 
bleiben würde, wenn auch das Stück über Egypten fehlte. 
Der auf uns gekommene Text aber zeigt eine doppelte Redac- 



bis zur Uebergabe vou Samos an Syloson (IIT, 149 §. 1), vielleicht bis 
zu einem andern nachweislichen Schiasspunkte schon damals, zwischen 
447 und 442, geführtes Ganzes zu betrachten sein. 
* Wenn Eirchhoff annimmt, dass für die I, 106 und I, 184 in Aussicht 
gestellten 'AaaiSpioi Xo^oi die Geschichte des babylonischen Aufstandes 
gegen Darius, (III, 150 — 160) ,die nächste und passendste, ja einzige 
Gelegenheit^ (Abfassungszeit 4) geboten habe, so ist einerseits zu be- 
merken, dass die Geschichte 'dieses Aufstandes selbst einen rein episodi- 
schen Charakter trägt, dessen Quelle naheliegt (vergl. die vorige Anm.), 
anderseits aber hervorzuheben, dass H. wie die libyschen, so die skythischen 
und die (I, 95) zur Einleitung der persischen Reichsbildung verwendeten 
lydischen Geschichten, ja die seiner eigenen kleinasiatischen Landslente 
(I. 142 — 150), nie bei Grelegenheit eines Aufstandes, sondern jedesmal 
vor dem entscheidenden Eroberungszuge der Perser einreiht. Wenn er 
sich nun bei Gelegenheit der Eroberung von Babylon, nach seiner An- 
schauung eines Theiles von Assyrien (I, 106, 192; III, 92), mit einigen 
speciell babylonischen Geschichten und Schilderungen begnügt, die Ge- 
sammtheit der assyrischen aber noch zurücklegt, so dürfte er für diese 
aus seinem Materiale eine ähnliche Dar-stellungsform wie für die egyp- 
tischen beabsiqhtigt haben, die ja auch erst nachträglich eingefügt und 
vermnthlich ausgearbeitet worden sind. Immerhin glaubte Herodot den 
Nachrichten über Egypten den grössten Umfang geben zu müssen, weil 
sich hier (II, 35) ,da8 meiste Bewunderungswürdige und die grössten 
Werke* finden. 



8 Bftdinger. [5(58] 

tionsänderung. Im dritten Buche findet sich zunächst die noth- 
wendige Wiederanknüpfung nach dem eingeschobenen Stücke: 
gegen den eben geschilderten Amasis zog Kambyses oyojv xai 
oXXou^ Twv ^p^e x.at 'EXXi^vwv "Io)vag te xat Alokiaq Sf aWrjV TOti^vBe. 
Es ist nun aber auch der vor der Einschiebung stehende Satz 
umgeformt worden. Kambyses^ heisst es jetzt II, 1, betrachtete 
die Jonier und Aeoler als ob sie Sclaven aus seinem väter- 
lichen Erbe wären: 'Icova? jxsv xal Alokiaq ox; Bo6Xoü? xaTpü)tou? 
e6vTac: evöfJLt^e, und unternahm einen Feldzug gegen Egypten, bei 
welchem er unter anderen Uiiterthanen in der That auch Hel- 
lenen seiner Herrschaft mitnahm: iiA Se Arpxcov eicotesTO crcpa- 
TYjXacHYjv oXXoü? ts 'rcapaXaß(i)v twv 9JpX£ >tal S^ x,at *EXXi^va)v twv 
6xexpG6T££. Der Unwille über die Heeresfolge seiner Landsleute 
gegen Egypten, an sich schon eine seltsame Einleitung für die 
Geschichte des Feldzuges — wie denn diese Heeresfolge im 
ersten Capitel des dritten Buches ganz unbefangen erzählt 
wird — ist vollends unverständlich in einem Satze, der den 
üebergang zur Darstellung Egyptens bilden soll: die Egypter, 
erzählt unser Autor zunächst, hielten sich vor Psammetich für 
die älteste Nation. Ob nun aber die wenig glückliche Verände- 
rung des ursprünglichen Satzes überhaupt nicht von späterer 
Hand herrühre ^ oder Herodot zuzutrauen sei, das zu entschei- 
den muss ich der Prüfung besserer Kenner seines Sprachge- 
brauches überlassen. 

Bleibt es nach diesen Erwägungen und bei dem Mangel 
eigener chronologischer Anhaltspunkte des zweiten Buches im- 
entscheidbar, wann die egyptischen Geschichten in die höchst 
wahrscheinlich vor dem Spätherbst 442 bis zur Eroberung von 
Samos (in, 149) abgeschlossenen früheren persischen Ge- 
schichten eingereiht worden seien, so ist ein Zweifel über das 
Local der Redaction dieses eingereihten Abschnittes schwerlich 
zulässig. Mit Recht hat KirchhofF^ hervorgehoben, dass nur 
Athen hiefür denkbar sei. Denn wenn auch der Schlusssatz 



^ Nur einer solchen wird man doch auch die ganz unmotivirte und im 
Munde eines Griechen des fünften Jahrb. v. Chr. seltsame Insulte zu- 
schreiben können, die sich jetzt in der griechischen Version von Psam- 
metich's Verfahren, um zur Ursprache der Menschheit zu gelangen, findet 
II, 3 ("EXXtjvs? 81 "kiyoMQVf) aXXa t£ jiaxaia 7:oXXa xai (o)? x. t. X.). 

2 Abfassungszeit, 13. 



[5693 2ur egyptischen Forachiing fferodot*s. 9 

von Capitel 177, nach welchem ein in Athen noch giltiges 
Solonisches Gesetz aus Egypten herübergenommen sei, später 
hinzugefügt sein könnte, so gehört doch (II, 7) die Verdeut- 
lichung der Entfernung von Heliopolis zum Meere nach einem 
von einem stadtathenischen Locale aus gerechneten Punkte so 
ganz wesentlich zum Zusammenhange, dass sie ein anderes Local 
der Ausarbeitung als Athen unwahrscheinlich macht. Am wich- 
tigsten aber scheint mir, dasselbe zu erweisen, die Beziehung auf 
Aeschylos' Dichtungen (II, 156). Vielleicht lässt sich Kirchhoffs 
Anschauung bestreiten , dass er dieselben ^nirgends anderswo 
als eben in Athen^ kennen gelernt haben könne; denn in 
Sicilien waren sie von des Dichters Aufenthalte in Syrakus 
her^ doch wohl auch bekannt genug und den Colonisten von 
Thurii sowohl von dort, wie von der Heimath zugänglich. Aber 
die lebhafte, fast leidenschaftliche Form,^ in welcher Herodot 
gegen andere Meinungen die Behauptung aufstellt, Aeschylus 
habe die Erfindung, dass Artemis der Demeter Tochter sei, 
den Egyptern entlehnt — diese erregten Worte bleiben unver- 
ständlich, wenn man nicht annimmt, dass eine andere Meinung 
verbreitet war, oder von bedeutender Seite vertreten wurde; 
eine so eingehende Beschäftigung mit dem Dichter wird jedoch 
ausserhalb Athens kaum angenommen werden können. 

Näher als sonst ersichtlich hat sich der Geschichtschrei- 
ber in diesem Abschnitte an die Methode seiner Erforschung 
auch bei der Ausarbeitung gehalten. Sein Schema ist freilich 
ein sehr einfaches. Bis hieher^ sagt er uns, (II, 99) reiche 
seine eigene Beobachtung; von nun an wolle er die Mitthei- 
lungen der Egypter, wie er sie vernommen habe, vortragen, 
doch werde sich dabei auch etwas von seiner eigenen Beob- 
achtung finden. Sieht man nun näher zu, so hat er wohl auch 
früher eine Anzahl derartiger Mittheilungen, darunter die ihm 
sehr wichtige der thebanischen Priesterschaft (11, 54 flgde) über 
das Verhältniss des Amon zum Zeus von Dodona, über das 



1 Bemhardy, Gmndriss der griechischen Literatur. 3. Anfl. 1872. IE, 242. 

2 *Ex toOtou h\ Xdyou xaX oOSevo^ aXA.ou kl(jy((iko^ 6 Eu^opfcovo« fipnaaz to lyto 
9pdia(o. 

' M^pi \kh to6tou 0({>t( TS 1(1^ xal Yvcoptt) xai loroptT) taura X^ouadc eati, to 
tk obcb TouBe AJ^utctIou^ ^p^c(jiai Xo^ou; ip^tjv, xaT« ^xouov* Tcpoa^aTai Te 
aOToia{ Ti xal t^( I(j.^( o^i6(. 

2 



10 Büdinger. [Ö70] 

Alter des Moeris-Sees (11, ] 3) und im Grunde auch die auf den 
Ursprung des Nil bezüglichen (II, 31). Im Ganzen aber zeigt 
die Darstellung noch ganz genau die beiden Hauptrichtungen 
seiner Forschung und die plan massige Sonderung seiner an 
Ort und Stelle gemachten Aufzeichnungen. 

§. 3. Zeit der egyptischen Reise. 

Bei der Aufführung der von Darius eingerichteten Sa- 
trapien fuhrt Herodot (III, 91) ganz unbefangen auch die 
egyptische mit ihrem Ertrage auf. Man darf sonach annehmen, 
dass das Land bei der Redaction dieses Theiles der Arbeit, 
also der älteren persischen Geschichten, sich nicht im Auf- 
stande gegen den König befunden habe. Dem entspricht, dass 
nach Kirchhoff^s Beweisen * das erste und dritte Buch — das 
letztere, wie wir sagen müssen, ^ bis zur Geschichte des baby- 
lonischen Aufstandes — zwischen dem Sommer 447 und dem 
Spätherbste 442, da Sophokles das dritte in der Antigene be- 
nutzte, ihre jetzige Redaction erhalten haben. Hiemit stimmt, 
wenn in demselben Zusammenhange (III, 15) von unserem Ge- 
schichtschreiber erwähnt wird, dass der Sohn des Rebellen Amyr- 
taios, — den er freilich selbst, wie später Manetho, zu den legitimen 
Landeskönigen zählt ^ — von den Persern in die Würde seines 
Vaters hergestellt worden sei; das ist aber erst nach dem Som- 
mer 449 geschehen.^ Da nun umnittelbar vorher erzählt wird 
(in, 12), dass Herodot das Schlachtfeld von Papremis besucjit 
habe, auf dem Amyrtaios mächtigerer Verbündeter, der Libyer- 
könig Inaros, die Perser im Jahre 460^ besiegte, so ist an 
sich gewiss, dass des Autors egyptische Reise nach dem Jahre 
460 und vor Sp'ätherbst 442, höchst wahrscheinlich, dass sie 
auch vor seine Auszeichnung in Athen zwischen dem Sommer 
446 und 444 gehört. In der Beschreibung Egyptens (IT, 63) 
erwähnt er überdies Stadt und Culte von Papremis aus eigener 
Anschauung. 



1 Vgl. oben 8. 566, Anin. 2. 

* Vgl. oben S. 567, Anm. 1. 

5 — Ol TCp^TEpoi Yevo[jL£Voi ß«aiX^£5 'A[i.upTa{ou. II, 140. 

* Thukydides I, 112. 

5 Schäfer 1. 1. 18, 22. 



[^671] Zur egyptischen Forschung Herodot*8. H 

Nun hat Herodot das Land bis nach Elefantine im Süden 
und das ganze Deltaland im Norden bereisen, das Letztere, 
wenn auch ungenau genug, ^ vermessen können und überall 
freundliche Information, namentlich von der Priesterschaft er- 
halten. Egypten erscheint bei ihm durchaus ungetrennt und in 
einem Zustande des Friedens. 

Zwischen den eben gewonnenen Zeitgrenzen liegen aber 
zwei Epochen einheitlicher und friedlicher Regierung des Lan- 
des. Die eine nach der SchlaqJ^t von Salamis im Sommer 449. ^ 
Die Frage, ob in diesem oder einem der nächstfolgenden Jahre 
ein Vertrag zwischen Athen und dem Perserkönig verabredet 
worden sei, der ohnehin, wenn abgeschlossen, eine ,praktische 
Bedeutung^ nie erlangt hat, ^ darf hier unerörtert bleiben. Sicher 
trat aber ein factischer Zustand der Ruhe ein, welcher einem 
griechischen Reisenden vielleicht den Besuch Egyptens, Sy- 
riens^ und Babylons in einem der nächsten Jahre ermöglichte. 
Ob einem solchen Reisenden freilich bei der noch frischen Er- 
innerung an die Gefährdung der Landesherrschaft durch Athen 
Laiidvermessungen und so vielfache Erkundigungen von den 
Persern in Egypten gestattet worden wären, lässt sich viel- 
leicht bezweifeln. 

Die andere Friedensepoche ist die von Inaros', oder wenn 
man nach Thukydides' Worten^ will, ,der Athener Herrschaft^ 
Diese dauerte bis zum Siege des Megabazos über Beide vier 
und halbes Jahr bis 456 oder 455 v. Chr. Nach diesem Siege 
war bis 449 an ein Bereisen des im Süden und der Mitte von 
den Persern, im Delta von Amyrtaios beherrschten Landes in 
Herodof 8 Weise nicht zu denken. Zwischen 460 und 456 ist 



* Gardner Wilkimon in Rawlinson^s Herodotus II, 6. 

2 Wie Stein zu Herodot (1872) S. XV behaupten kann: .folglich bleibt für 
,H*s egyptische Reise nur die Zeit zwischen 464 und 449 übrige ist mir 
unverständlich. 

3 Köhler, Urkunden und Untersuchungen zur Geschichte des attisch'delischen 
Bundes (Abhandlungen der Berliner Akademie 1869) S. 121. 

^ TyruB mindestens scheint er nach II, 44 von Egypten aus besu^cht zu 
haben. Stein (1872), S. XIY lässt ihn wegen des Xoytji in II, 150 von 
der egyptischen Beise nach Assyrien und gar nach dem eigentlichen 
Persien kommen, das er schwerlich je betreten hat 

^ Tb \Lh TcpwTov IxpdcTouv T^? Aiy^TTCou 'AÖTjvatoi I, 109. 

2* 



12 Büdinger. [572] 

unseres Autors Reise aber um dieser Erwägung willen wirklich 
mit etwas mehr Wahrscheinlichkeit als nach 449 anzusetzen.* 
Denn die Landmessungen hatten damals für die Athener ein 
practisches militärisches Interesse und die Eingeborenen wohl 
Grund und Neigung, die Erforschung des Landes einem be- 
währten Freunde des ihnen zu Hilfe gezogenen Volkes zu er- 
leichtern. 

Anderseits ist es vollkommen gut bezeugt, ^ dass Herodot 
an der Vertreibung des Tyrani^pn Lygdamis von Halikamassos 
hervorragenden Antheil nahm und aus den Tributlisten der 
attischen Symmachie erhellt, dass die Stadt bereits im Jahre 
454/3 zu derselben als Republik gehörte. Wegen des nachweis- 
lich jugendlichen Alters des um 480 geborenen Tyrannen kann 
aber die Vertreibung desselben nicht lange vorher stattgefun- 
den haben. 3 Da Herodot die Heimath bald nach der gelunge- 
nen Befreiung wieder verliess, so würde die egyptische Reise 
um 456^ angesetzt werden dürfen, wenn sie nicht überhaupt 
erst um 448 — 446 statt hatte. 

§• 4. Die Liste der Könige, 

Was für uns die ausschliessliche Grundlage altegyptischer 
Geschichte bildet, die Reihenfolge der Königsnamen mit Bei- 
setzung der Regierungszeiten, muss bei dem neuerlich erwie- 
senen^ gänzlichen Mangel an anderen chronologischen Anhalts- 
punkten auch für die Forscher unter den Egyptern selbst den 



^ G. Rawlinson's Behauptung (I, 10), sie müsse bald nach Inaros^ Sieg 
gehören — or he would scarcely have been received with so much cor- 
diality and allowed such free access to the Egyptians temples and records 
— bleibt deshalb nicht minder unbegründet. Hat doch Hekataios minde- 
stens in Theben die gleiche Freundlichkeit erfahren, wie ja Herodot 
selbst n, 143 erzählt. 

2 KirchhoflF, Studien zur Gesch. des griechischen Alphabets. 2. Aufl. 1867. S. 8. 

3 Köhler a. a. O. 108, 183, Kirchhoff, Alphabet S. 9 bringt den schlagen- 
den Beweis für Lygdamis^ Alter. 

^ Zwischen 460 und 456 angesetzt würde die Vertreibung des Lygdamis 

chronologische Schwierigkeiten nicht bieten. 
^ Th. H. Martin, sur la date historique d'un renouvellement de la p^riode 

sothiaque (M^moires prSsent^s par 4ivers savants k Tacad. des inscriptions 

et b. 1. t. Vm. Paris 1869) 225-293. 



rö73j Zur egyptischeu Forschung HerodoVs. 13 

gleichen Werth gehabt haben. Wenn, wie doch am wahrschein- 
lichsten, die Fragmente des Turiner Verzeichnisses den Zeiten 
der neunzehnten Dynastie angehören, so hätte man nächst 
demselben in dem Herodot um die Mitte des fünften Jahrhun- 
derts vor Christo vorgetragenen das älteste uns bekannte und 
eine Recension der ähnlichen Vorlagen zu erkennen, an deren 
Hand Manetho sowohl im Texte als im Registeranhange seines 
Werkes arbeitete. 

Denn so unschätzbar für die Forschung bei dem jetzigen 
Stande des Materiales die Auswahlen anzubetender Könige sind, 
welche die Wandschilderungen Tuthmosis III. und Sethos I. 
und das Grab des Priesters Tunari bieten, so würden sie doch 
kaum anders als antiquarisch in Betracht kommen, wenn uns 
der Turiner Papyrus unverletzt oder die jüngere, Herodot vor- 
gelesene Liste erhalten wäre. 

Aber unser Geschichtschreiber war weit entfernt, dem 
ihm vorgetragenen Stücke eine so hohe Bedeutung beizumessen. 
Denn seine religiösen Ueberzeugungen standen in unverein- 
barem Widerspruche mit der gelehrten Ueberlieferung der 
freundlichen Priesterschaft von Theben. 

Sie las ihm 341 Namen menschlicher Könige, die vor 
Psammitich I., ^ d. h. mehr als zweihundert Jahre vor Herodot's 
egyptischer Reise, regiert hätten. Die thebanische Geistlichkeit 
gedachte ihn durch ihr an sich un verwerfliches Zeugniss der 
Königsliste und durch die lange Reihe von 345 Holzstatuen 
ihrer erblichen Oberpriester zu belehren, dass die griechischen 
Dogmen von dem Leben der Götter auf Erden chronologischen 
Bedenken unterliegen. Wie aber der edle milesische Forscher, 
der viel früher den gleichen Vorstellungen widerstanden hatte, wie 
Hekataios seinen eigenen Ahnherrn im sechzehnten Gliede, der 
notorisch ein Gott war, als unbestreitbares Exempel gegen die 
egyptische Weisheit anführen konnte, so macht Herodot nicht 
minder überzeugt chronologische Daten aus griechischer Special- 
geschichte geltend. 2 Das wichtigste Argument ist ihm, dass 



1 Genauer bis zur Regierung von Sanherib^s egyptischem Zeitgenossen, den 
Herodot Sethos nennt: 1$ tou 'H^a{aTou tov \pix toutov tov teXeuTatov 
(II, 142).. Auf diesen folgt ihm aber unmittelbar (II, 147) die Dodekarchie 
mit Psammitich. 

2 II. 142—146, 100, 101. 



14 Büdinger. [674] 

Osiris, der Vater des letzten Götterkönigs nach egyptischer 
Lehre, identisch mit Dionysos sei, dessen Geburt ,vor etwa 
1600 Jahren', d. h. um 2050 v. Chr. feststehe. Wie mochte er 
sich daher entschliessen, die 341 Könige zu acceptiren, die 
ihm, nach Generationen berechnet, die unglaubliche Summe von 
11340 Jahren rein menschlicher Regierungen ergaben! 

Er schenkte also der Vorlesung jener Namen um so 
weniger Aufmerksamkeit, als die Priester von der bei Weitem 
überwiegenden Mehrzahl begreiflicher Weise nichts Erhebliches 
zu sagen wussten und sich eben auf die Vorlesung ihrer Liste 
beschränkten. ^ Den 330. Namen nach dem Reichsgründer Mena 
aber bezeichneten sie ihm als den eben des Königs Moeris, 
welcher unter Anderem den Ueberschwemmungssee ^ bei dem 
Labyrinth habe graben lassen und von dem auch die Pyrami- 
den in diesem Wasserwerke herrühren. Nun hatte man ihm 
freilich, wie im ersten Theile seiner Aufzeichnungen zu lesen 
ist, dort gesagt (II, 13), dass Moeris ,vor noch nicht 900 Jah- 
ren', d. h. um 1350 gelebt habe — wie man etwa dem Diodor 
das Zeitalter dieses Königs sehr nett auf zwölf Generationen nach 
dem Erbauer von Memphis bestimmte. Nach Moeris aber wurden 
Herodot nur noch zehn oder elf Königsnamen bis auf Psammi- 
tich verlesen, so dass jede Regierung seit Moeris etwa sechzig 
Jahre gedauert haben müsste. Es ist nur eine sonderbare Aus- 
kunft und keineswegs, wie Perizonius und Niebuhr^ meinten, 
eine falsch gelesene Ziffer, wenn er einen dieser Nachfolger, 
den Zeitgenossen des Aethiopen Sabakös (um 730 bis nach 710) 
siebenhundert Jahre vor Amyrtaios, d. h. vor seine eigene Zeit 
(um 1150) setzt. 



« 

eTvai XajxTcpOTTjTo; II. 101. 

2 jPhiöm en mere* nach Lepsius Chronologie I, 265 der Anlass zu den 
Moerisgeschiehten, von Brugsch (hist. d'Egypte I, 67) speciell durch Meri 
,See^ erklärt. Bei dem Beichthum an Königsnamen wäre aber ein der- 
artiges Missverständniss über den König, dem die Tradition noch zu 
Diodor*s (I, 50 flg.) Zeit, d. h. im J. 57 y. Chr. (Lepsius a. a. O. 257), 
wie zu der Herodot^s unter einer Reihe bestimmter Werke auch dieses 
zuschrieb, kaum verständlich. 

3 Vorlesungen über alte Geschichte I, 82. Herodot hat bei der Ausarbei- 
tung der Erzählung schwerlich auch nur einmal Ziffern gebraucht. 



[5763 Zur egypti8chen ForBchnng Herodot's. 15 

Nur dieser Gleichgiltigkeit gegen die egyptische Tradition 
ist man denn auch zunächst geneigt es zuzuschreiben, wenn er 
unmittelbar auf diesen Moeris seinen Sesostris folgen lässt. Es 
ist vermuthet worden, dass er den nachweislichen Vollender 
des Ueberschwemmungssees, Amenemhe III., für Moeris gehal- 
ten habe; femer habe er in den demselben vorangehenden drei 
Osortasen der zwölften Dynastie (deren mindestens zwei eben- 
falls nachweislich tüchtige Kriegsfürsten waren, und deren 
zweiter auch bei Manetho Sesostris heisst), Elemente seines 
Sesostris gefunden; diese Elemente seien aber aus den Ge- 
schichten der neunzehnten manethonischen Dynastie mit dem 
ähnlich lautenden Königsnamen Sethos I. oder Set Merenphtah 
und seinem Sohne Ramses Meriamun vermehrt worden. Nun 
ist unbestreitbar ^ richtig, dass einem so grossen Gelehrten wie 
Eratosthenes etwa dritthalb hundert Jahre nach Herodot aus 
ähnlichen mindestens halb religiösen Gründen — indem er 
einen König der neunzehnten Dynastie mit Hermes Hephäst's 
Sohne gleich setzte — ein solcher Sprung aus der zwölften in 
die neunzehnte Dynastie nothwendig schien. Herodot hatte aber 
gar keinen Anlass zu einem so gelehrten Wagnisse. Denn in 
die Geschichten seines Sesostris hat er (II, 102 — 111), wie er 
wiederholt versichert, einfach nach den Angaben der von ihm 
befragten Priester, sämmtliche bedeutende Eroberungsgeschich- 
ten des egyptischen Reiches, namentlich auch die Züge Thut- 
mosis' III. zu Lande und zur See, neben einer Reihe von Phan- 
tasiegebilden seiner Gewährsmänner zusammenziehen müssen. 
Das Sonderbarste ist. vielleicht, dass sie ihm sagten (II, 110), 
dieser König allein habe auch Aethiopien beherrscht, während 
wir aus Una's Inschrift ^ mit aller Sicherheit wissen, dass Aethio- 
pien dem kriegerischsten Könige der sechsten Dynastie Merira- 
Pepi und wohl diesem zuerst gehorchte, zahlreiche andere In- 
schriften aber darthun, dass es unter der zwölften Dynastie in 



1 y. Gutschmid, Beiträge zur Geschichte des alten Orients (Leipzig 1857), 
8. 3 flgde. 

2 Vic*® de Roug6, recherches sur les monuments quon peut attribuer aux 
six premi^res dynasties de Man^thon, Paris 1866, p. 123, 143. Zwischen 
Ausarbeitung und Druck dieser Abhandlung fällt die erschütternde Kunde 
von dem Hinscheiden dieses herrlichen Forschers am SI.December 1872. 



16 Büding.r. [576] 

vollem Gehorsame erhalten wurde, unter der achtzehnten nur 
ein Vorland weiterer egyptischer Eroberungen in Afrika, und 
unter der neunzehnten so sehr ein Stück des Reiches war, dass 
Ramses Meriamun's Sohn Merenphthah sich nach Manetho 
vor Kriegsgefahren dahin zurückziehen konnte. 

Man sieht wohl, dass die thebanische Priesterschaft, da 
sie unsem Autor von der Echtheit ihrer Listen nicht zu über- 
zeugen vermochte, mindestens, wenn auch zum Theil mit 
kecken Erfindungen, seine Wissbegierde über Sesostris befrie- 
digte und in gleicher Weise bei seinen Fragen nach einigen 
mit Egypten in Beziehung gebrachten Gestalten des homerischen 
Liederkreises (II, 118 — 121) verfuhr. 

Wird man nun auch femer geneigt sein, den angeblich 
um 1350 lebenden ^ Moeris, der nur durch zehn Generationen 
von seinem i. J. 610 wirklich gestorbenen Nachfolger Fsam- 
mitich I. getrennt ist, in irgend einer Zeit zu suchen? Den 
neugierigen griechischen Barbaren artig abzufertigen, boten ja 
hinlängliche Gelegenheit so viele mit Meri oder Meren d. h. 
,geliebt von^ — beginnende und doch auch an Meri ,See' an- 
klingende Königsnamen, deren einige wir eben berühi*t haben. 

§• 5. Die äthiopische Dynastie. 

Aus den 341 Königsnamen der priesterlichen Vorlesung 
bemerkte sich Herodot eine äthiopische Dynastie: ixTcoxaiSexa 
|X£v Ai6{oxe<; ^aav lesen wir (II, 100), nachdem er von den 330 
Königsnamen nach Menes gesprochen hat. Er konnte diese 
achtzehn aber unter den zehn oder elf nach seinem Moeris 
genannten nicht mehr unterbringen. Die Reihe von achtzehn 
äthiopischen Königen Herodot's ist in verschiedenen Jahrtausen- 



^ Gardner Wilkinson bei Rawlinson II, 141 weiss, dass Merenphtah ge- 
gemeint ist, da unter ihm das grosse Ereigniss des Anfanges einer nenen 
Sothisperiode ,B. C. 1322* stattfand. Anf diese Bunsensche Erfin- 
dung antwortet aber Th. Martin a. a. O. 232, 276 flgde mit Recht: 
wenn die in einer sonst fehlerhaften Olosse bei Theons* Commentar zu 
Ptolemäus Hand tafeln genannte Aera ,yon Menophres* wirklich einen 

. Menschen bezeichne, so noch keineswegs gewiss einen König, wenn 
einen König, so schwerlich Menephtah —Bansen conjicirte 6 für P — , wenn 
endlich wirklich Menephtah, so beweise das noch gar nichts für dessen 
wirkliche' Lebenszeit. ' 



[577J Zur egypÜBchen Forschang Herodot*8. 17 

den der egyptischen Geschichte gesucht worden. Wilkinson * 
entschied im Jahre 1862, dass. sie zur dreizehnten Dynastie 
gehören müssten, ohne freilich ahnen zu können, dass im näch- 
sten Jahre 1863 allein Statuen von sieben Königen dieser 
Dynastie ausgegraben sein würden, die sich gut egyptisch ,der 
Krokodilgott ist Heiterkeit^ d. h. Sebekhotep nannten, und mit einer 
noch unbestimmten Reihe von Nofrehotep den Bestand dieser 
Dynastie sichern sollten. 2 

Uebrigens kennen wir doch aus egyptischen und ausser- 
egyptischen Quellen die Könige der äthiopischen Dynastie gut 
genug. Es sind deren aber in allen officiellen Listen nur drei;^ 
denn der vierte König Rudamon, obwohl er seinen Anspruch 
durch eine ganz correcte Stele mit Hieroglypheninschrift ^ über 
seine zeitweilige Herrschaft in Oberegypten und selbst in 
Memphis geltend macht, hat unter den canonischen Königen,^ 
wenn überhaupt, so erst der .folgenden 26. Dynastie einen 
zweifelhaften Platz gefunden, wie denn auch, sein Nachfolger 
Psammitich I. Rudamon's Regierung durchaus ignorirt. 

Herodot's Irrthum dürfte sich einfach dadurch erklären, 
dass er in seiner thebanischen Aufzeichnung die Zahl der 
Aethiopen durch Striche markirte und diese drei Striche bei 
der Ausarbeitung für I H d. h. 18 las; denn nach der ver- 
kehrten Aufführung von Moeris kann man nicht zweifeln, dass 
das Missverständniss von ihm selbst stammt. Das Missverständ- 
niss war aber um so leichter möglich, als das zur Zeit von 
Herodot's egyptischer Reise in Halikarnassos übliche, und also 



* Rawlinson, Herodotus II, 141. 

2 Bragsch in der Zeitschrift für Erdkunde 1863, XIV. 

3 Manetho^s 25. Dynastie bei Africanus und Eusebius (Geo. Syncellus ed. 
Bonn. I, 138—140, Eusebi chron. can. t. II. ed. Schöne [1866] p. 82—85), 
vgl. unten Anm. 5. 

* Haigh in der egyptischen Zeitschrift 1869, S. 3 flgde und S. 45. 

^ Vielleicht ist er doch unter dem ersten der irrigen drei Vorgänger von 
Psammitichs Vater Necho, dem Vasallen Assyriens in der 26. Dynastie, 
bei Eusebius (84 sqq. ed. Schöne) gemeint, wo er *A[i.\Lip\q A?0(otl, Ameres 
Aethiops, Merres Aethiops heisst. Derartiges vermuthet schon Bunsen, 
Egypten III, 138. Der Auszug des Africanus (Syncellus 141) lässt auch 
diese Namen aus. 



18 Büdinger. [578] 

wohl auch von ihm gebrauchte Alphabet, wie eine erhaltene Ur- 
kunde beweist, für Eta bereits das später üblich gebliebene 
dem unsrigen gleiche Zeichen, für Iota aber zwar ebenfalls 
das jüngere den Verticalstrich hat, aber durch die Aehnlich- 
keit der älteren noch beibehaltenen Form für Zeta (I) den 
Schreiber nöthigte, sich bei dem Iota vor jedem Horizontal- 
striche oben und unten zu hüten. ^ 

Noch ganz anders aber sollte sich Herodot's Ungläubig- 
keit der egyptischen Priesterliste gegenüber rächen. Denn in 
aller Unschuld erzählt er ganz ausführlich von dem dritten 
jener Aethiopenkönige, dessen Eroberungszug nach Westen bis 
nach Europa freilich auch von einem so gut imterrichteten 
Forscher, wie Megasthenes, mit dem des Sesostris besprochen 
werden konnte, 2 und der für die egyptischen Priester ihrem uner- 
müdlichen Frager gegenüber in der Sesostrisfigur ohnehin hin- 
länglich verwerthet erscheinen .mochte. 

Von Kyrenäern hörte er, dass sie — nach dem Wort- 
laute^ muss man meinen, die Erzähler selbst — bei einem 
Besuche der Orakelstätte des Ammon mit dem Könige der 
Ammonier (AixfjLcovtwv TL, 32) oder dem Ammonischen (tou 
'A[ji.[ji.(i)v(oü H 33) über den obern Lauf des Nil gesprochen haben. 
Dieser König führt den kyrenäischem Munde geläufigen Namen 
des angeblichen Ahnherrn ihres Königshauses,* eines Königs 
auf Kreta: Etearchos. Ftir die stets zu Egypten gehörig gewe- 
sene und in der Zeit des alten Reiches wahrscheinlich von dem 
Hauptlande noch nicht durch einen so weiten Wüstenstrich 
getrennte^ Oase des Amon wäre nun ein besonderer König 
schon wunderlich genug, ein griechischer aber ein wahres 
Mirakel, das nur durch das grössere als Vermuthung aufge- 



1 Kirchhoff Alfabet 1. Tafel n. t. 

2 S^atüOTpiv |xev ibv AtYUTcrov xai Tedtpxwva tov AIOtoTca ^w^ EupwTWjs TcpoeXOstv. 
Strabon 15, 686 (957 ed. Meineke). 

3 TötSe fikv ^xouaa «vSptSv Kup7)va{a)V ©ap-^vwv iX^sXyi izinX xo "A(xji(ovos /^pTjonjpiov. 
II, 32. 

* An der ihm in Kyrene erzählten Geschichte (II, 154 sq.) hatte Herodot 
mindestens über den Ursprung des Namens Battos begründete Zweifel. 

5 Ueber diese Frage Näheres bei Chabas, les papyrus hi^ratiques de Berlin 
1863, p. 35 flgde. 



[579] Zur egyptischen Forschung Herodot's. 19 

stellte erklärt werden könnte, die Kyrenäer hätten einmal die 
Oase erobert. ^ 

Herodot nennt jedoch selbst noch ein anderes Orakel des 
Amon oder Zeus: das in Meroe (11, 29). Nach den Sprüchen des- 
selben, sagt er, und in der von dem Gotte bezeichneten Rich- 
tung gehen die Aethiopen in den Krieg. Dass es hier in Na- 
pata Könige genug gegeben hat, steht ausser Frage. Von dem 
kyrenäischem Munde geläufigen Worte Etearchos braucht man 
aber nur den Anfangslaut zu streichen, um den Namen des 
Königs zu erhalten, von dem in Napata und in Theben In- 
schriften und bildliche Darstellungen erhalten sind, den Namen 
des dritten Königs der äthiopischen Dynastie, der hieroglyphisch 
Thrk, d. h. Tehark, in den assyrischen Keilschriften Tearko, 
von Manetho Tarkos oder Tarakos, von Megasthenes Tearkon, von 
Eusebius Tarakos, von Hieronymus Tarachus, und in der Bibel un- 
genau hebräisch Thirhaka, griechisch Tharaka geschrieben wird. 2 

Erwägt man nun, dass Megasthenes diesen äthiopischen 
König von Egypten, wie oben bemerkt, gleich Sesostris, d. h. 
diesmal gleich der Zeit Thutmosis III. und seiner nächsten 
Nachfolger, Nordafrika erobern lässt, so ist selbstverständlich, 
dass Tehark auch über Kyrene gebot. Wenn aber dortige Be- 
wohner zu dem Orakel zogen, welches die Kriegszüge dieses 
Königs anordnete, so werden wir das nicht eben auflFallend 
finden. 

Wenn sonach unzweifelhaft ist, dass an den beiden er- 
wähnten Stellen statt !A(ji.iJLa)v((i)v und 'A{ji.|xü)v{ou vielmehr AiOtÖTutov 
und At0(o7co? zu lesen ist., so muss ich doch wie oben S. 568 
Anderen zu entscheiden überlassen, ob das Missverständniss 
Herodot oder einem Abschreiber zur Last fallt; doch neige ich 
zu der ersten Annahme, da Herodot die Begebenheit für eine 
durchaus zeitgenössische gehalten zu haben scheint. 

Immerhin kann man sich darüber wundern, dass Herodot 
(II, 41) sich den zweiten Aethiopenkönig — in den Listen Se- 
bichoB, in der That der zweite Saba oder Seve — als Sethos 



1 Probably from this Oasis having been conquered by the Cyrenaeans. Wil- 
kiDBon 1. 1. II, 43 n. 

2 Oppert, rapports de TEgypte et de TAssyrie (1869 m^m. de Tacad. VIII •) 
563 bringt die Literatur des Namens erschöpfend. 



20 BftdiBgar. [580] 

und einen Priester des Phthah vorfahren liess. Denn Set's oder 
Sutech's Namen hätte ihn an Typhon erinnern soUen und ward 
von Königen Egjptens nur der neunzehnten Dynastie geführt^ 
aber seit der zwanzigsten Dynastie,^ da er nur noch als ein 
semitischer Gottes- und daher als Feindesname erschien^ ge- 
flissentlich gemieden. Bemerkenswerth ist aber, dass Herodot 
sich einen solchen Namen als den letzten vor der Dodekarchie 
auibinden Jies. 

§. 6. Die Pyramidenkonige. 

Am übelsten haben vielleicht unserem trotz alledem gleich 
bewunderungswürdigen Autor Irrthum und Erfindung seiner 
Berichterstatter in den Geschichten der Pyramidenkönige mit- 
gespielt. 

Wir sind nun doch über diese Epoche egyptischer Ge- 
schichte aus durchaus gleichzeitigen schriftlichen Quellen und 
aus den erhaltenen Denkmalen und Statuen so gut unterrichtet, 
dass spätere Berichte, wie der Herodot's, uns nur vereinzelte 
Ergänzungen bieten können. Aber eben der besonnene neueste 
Forscher, dessen erschöpfender Arbeit über die Geschichte der 
sechs ersten Dynastien wir zu so grossem Danke verpflichtet 
sind, eben der Vicomte de Rougä hat doch gleich allen Vor- 
gängern der handgreiflichsten unter den Täuschungen der 
Pyramidenmärchen, der von dem Baue des ,Chut^ (der grossen 
Pyramide), warmen Glauben geschenkt ^ 

Um die Unmöglichkeiten gleich hier zu beginnen, so wird 
doch heutzutage schwerlich ein Kenner des egyptischen Alter- 
thumes glauben können, dass auf irgend einer Pyramide der 
Preis der Arbeitslöhne ihrer Erbauung gestanden habe. Und 
vollends die Auszahlung derselben! Lange nach der Erbauung 
des Chut unter dem sechzehnten Nachfolger des in ihm begra- 
benen Chufu, unter Merira-Pepi commandirte Una die aus Egyp- 



^ Ramses III. aus der 20. hat Set znletzt im Wappen. Bansen, Egypten 
IV, 243. — Englische Forscher (Rawlinson five mon. II 167) haben 
übrigens für H*s Sethos auch an den Zi{t der 23. Dynastie errinnert. 

3 P. 42: Les historiens grecs entendaient encore T^cho des maMdictions 
que les travaux n^cessaires pour la construction d*un si prodigieux tom- 
beau avaient du amasser sur la tSte de Chufu et dont le souvenir ne put 
Jamals s'effacer. 



[581] Zar egyptiRchen Forschung Herodot*8. 21 

tern und Negern gegen die Herusha gebildete Armee und 
erzählt, dass er an seine Truppen ^Lebensmittel und Schuhe^ ver- 
theilt habe. ^ Aber die Gattung der Lebensmittel — ^Rettige 
und Zwiebeln und Knoblauch', wie uns Herodot*s (II, 1 25) Dol- 
metscher die Nahrung der Frohnarbeiter an dem grossen ftrab- 
mal schildert — erfahren wir natürlich nicht. Bei einer Armee 
war es wichtig, ihren Bestand zu kennen; Una weiss nur, dass 
er tebu a§u ,viele Myriaden' commandirt hat (Rougi 127), 
während Herodot^s Dolmetscher an der Umkleidung des Chut 
abliest oder doch erzählt (II, 124), dass je 100,000 Menschen 
sich alle drei Monate fiir den Bau der Chaussee und des Mo- 
numentes dreissig Jahre lang abgelöst haben. Das Schönste 
ist aber doch eben der Preis ihrer Unterhaltung: Herodot hält 
selbst für nöthig, ausdrücklich zu versichern, dass er sich der 
Worte seines Interpreten wohl erinnere (a><; k[Lh eu (jL6[ji.vY](70ai t3c 
6 lp{XY]ve6^ (JLOi dxtXeY^fAevoq Ta yP^P'I^'^^x ^^y)), ehe er berichtet, dass 
1600 Talente Silber für diese ziemlich einfache Kost veraus- 
gabt worden seien. Er gibt dem Leser redlich zu bedenken, wie 
viel erst noch die Instrumente, Kleidung und Ernährung fiir 
die Handwerker {ip'^otZoiLi^oici) und die vorbereitenden Arbei- 
ten für den Bau gekostet haben mögen. 

Sechzehnhundert Talente Silber! Wann haben egyptische 
Könige des alten Reiches Lebensmittel für ihre Bauleute kaufen 
müssen und bei wem? War nicht die ganze Masse der Be- 
herrschten im Zustande von Sclaven (hon) gegenüber den 
Priester-Kriegern, ,den Hellfarbigen (ami)'?^ Bereits unter dem 
vierten Könige nach Chufii unter Aseskaf wird das Amt eines 
,Aufsehers über alle Mundvorräthe^ als eines der wichtigsten 
genannt (Rougä 68), da einer der höchsten Beamten, ein Eidam 
des Königs, zu demselben berufen ist. Auch Chufu kann über 
die Früchte des Landes nur frei verfügt haben. 

Wir haben es aber mit einer Rechnung nach Talenten 
und damit mit ihrem Sossostheile, der Mine, eines bei den Egyptem 
des alten Reiches so seltenen Edelmetalles, wie des Silbers zu 
thun. Denn wie das Electrum wird Silber ,hat^ durch das hienach 
viel ältere Zeichen für Gold ,nub' determinirt, so dass mit 



1 Rong6 125. 

2 Ebers, Egypten und die Bücher Moses' (Leipzig, 1868) S. 52. 



22 Bftdingei-. [682] 

seinem Namen ^ursprünglich wol ^das weisse Gold"" gemeint 
gewesen ist', und dass sein Werth von dem des Goldes lange 
wenig verschieden war. ^ Eine Berechnung beider Edelmetalle 
nach Talenten ist aber erst lange Jahrhunderte nach dem Er- 
bauer des Chut; vielleicht durch die Hyksos, gewiss jedoch erst 
bei den Zügen der achtzehnten Dynastie nach Syrien und Me- 
sopotamien, wo dieses chaldäische Gewichtssystem bereits einge- 
führt war^ den Egyptern bekannt geworden. Das beweisen die 
schwerfalligen Umrechnungen der dortigen Tribute Thotmess III. 
im egyptische Pfunde und Lothe hinlänglich.^ Dass zur Zeit 
der Fyramidenerbauung die Edelmetalle überhaupt einen be- 
stimmten Werth gehabt haben, ist mehr als zweifelhaft, gewiss 
aber, dass officiell nie nach einem solchen gerechnet wurde. 
Und so häufig und genau die Würdenträger in ihren Gräbern 
von Ehren und Gütern und Frauen sprechen, die ihnen der 
Könige Gnade verliehen habe, von Beträgen in Gold und gar 
in Silber ist schwerlich auch nur einmal vor der zwölften Dy- 
nastie,^ und von Geld in unserm und Herodot's Sinne natürlich 
niemals die Rede. 

Vollkommen wird der Widersinn der ganzen erlogenen 
Inschriftübersetzung* aber erst, wenn man sich vorstellt, dass 
ein Gegenstand so profanen^ ja gemeinen Inhaltes dem Be- 
schauer der Aussenseite eines solchen Werkes hätte entgegen 



^ Lepsius, die Metalle in den egyptischen Inschriften (Abhandlangen der 
Berliner ^kademie 1871) 49, 116, 51. Dass übrigens aach Silber ans 
I^abien, und wohl von dort zuerst, nach Egypten kam, zeigt Dümichen 
(Egyptische Zeitschrift 1872) 44—46. 

^ Joh. Brandis, Münz-, Mass- und Gewichtssystem Vorderasien^s bis auf 
Alexander den Grossen. (Berlin 1866), S. 93 flgde. 

3 Brugsch, hier. dem. Wörterbuch in, 748 hat als ältestes Citat die Er- 
wähnung von Goldgegenständen im Grabe Amenis zu Benihassan unter 
Osortasen n. Lepsius a. a. O. 31 bemerkt, wie hier noch das Gold 
durch Abbildung der Goldwäsche versinnlicht ward, deren Zeichen später 
nicht verstanden zu sein scheint ; er hält übrigens den Gewinn von Gold 
im Thale von Hamamat (S. 37) schon unter Chufn für denkbar. Roug^ 
freilich führt von dort keine Inschriften aus der Zeit dieses Königs an. 

^ Diodor I, 64 wurde wenigstens nicht mit einer solchen behellig^, und 
erfuhr nur im Allgemeinen, dass 360,000 Menschen kaum in 20 Jahren 
das Werk beendet hätten und gesteht im Uebrigen (I, 65), dass über 
den Pyramidenbau in keinem Punkte o^xt Tcapa toT^ iy/^copfoi^ oCte Tcapa 
Tot; auYYPftfsuvi Uebereinstimmung herrsche. 



[583] Zur egyptischen Forschung Herodot'8. 23 

treten sollen. Denn im eminenten Sinne religiösen Ideen diente 
die Pyramide, da sie mit dem Leibe eines der gottgleichen 
Könige des Landes die Existenz dieses immerlebenden Horus 
sichern sollte, eines Königs dazu, der noch nach einer langen 
Reihe von Jahrhunderten seinen eigenen Cult und Propheten 
hatte. ^ 

Nach Herodot freilich ging Cheops' Bosheit (xaxoxTQi;, II, 
124, 126, 128)2 go weit, dass er alle Religionsübung verbot 
und darin habe ihm sein angeblicher Bruder und Nachfolger 
Chephren nachgeahmt — in der That sind freilich Chufu's und- 
Schafra's lange Regierungen durch die Ratutf s getrennt. 

Gronau das Gegentheil berichten über diese religiöse Frage 
die Denkmale: ,Seiner Mutter Isis und der Hathor errichtete 
(Chufu) eine Säule mit Inschrift und gab ihr ein Landgebiet 
von Neuem. Er baute ihren Tempel aus Stein und setzte 
die Götter an ihren Platz^ (Rouge 47). Man kann nicht zwei- 
feln, dass das Alles wördich genau angegeben ist, auch in der 
Beziehung, dass man Chufu wie seine nächsten Nachfolger 
durchaus als Architecten-Könige zu betrachten und demgemäss 
die Titel ihrer Söhne und vornehmsten Hofbeamten ,Director 
der Arbeiten^ oder, wie bei Chufu's Sohn Hata, ,de8 Geheim- 
nisses aller Arbeiten^ oder ,aller Arbeiten, welche es dem 
Könige zu verfertigen beliebte' für getreuen Ausdruck ihrer 
Beschäftigungen zu halten hat. 

Dem entspricht eine andere hieher gehörige Inschrift 
(Rougi 46): ,Chufu . . ^fand den Tempel der Isis, der Re- 
gentin der Pyramide, neben dem Tempel der Sphinx^ Er war 
ausserdem ein Verehrer des später gering geschätzten Anubis. 
Nach Allem kann man es nicht befremdlich finden, wenn eine 
Dame dieser Zeit (Rouge 52) den Namen ,Chufu geliebt von 
den Göttern' (Chufu-mernuteru) führt. 

Aehnliches lässt sich von Schafra sagen: seine von Ma- 
riette entdeckten Statuen weiht er dem Gotte Harmachu im 
Sphinxtempel, seinen ältesten Sohn Raenkau ernennt er zum 



^ Boug^, six prem. dyn. 6'6, 48. 

2 Irrig vergleicht Stein (1872, I^ 142) die xaxoTi)? in HI, 82, wo ^ie 
schlechte politische, und in VU, 168, wo sie schlechte patriotische Ge- 
sinnung bezeichnet. 



24 Büdinger. [584] 

;Chef der Geheimnisse des Anbetungshauses'^ seine Hauptge- 
mahlin Merisanch zur Priesterin des Gottes Thoth. 

Auf so ganz freier Erfindung aber^ wie man an diesem 
Punkte unserer Untersuchung annehmen sollte^ beruhen keines- 
wegs alle die Geschichten von der Bedrückung des Volkes und 
der , Bosheit^ gewisser, wenn auch entfernt nicht der Pyramiden- 
Könige. Herodot gibt uns selbst den Schlüssel und zwar in 
doppelter Gestalt. 

Am Ende seines Berichtes sagt er nämlich ganz uner- 
wartet: Die Egypter sprechen aus Hass nicht gern von diesen 
Königen ,und nennen auch die Pyramiden nach dem Hirten 
Philitis, der um diese Zeit in diesen Gegenden sein Vieh wei- 
detet Wir. haben es mit anderen Worten mit einem der ,Hir- 
tenkönige', wie Manetho * das Wort Hyksos übersetzt, zu thun. 
Von dem ersten Gesammtkönige derselben Salatis berichtet 
er aber, dieser habe in Memphis residirt, von Ober-, wie Un- 
teregypten Tribut eingezogen, 2 im Sommer aber seimem Heere 
•von der Grenzfeste Avaris d. h. Pelusium^ aus ,Getraide zu- 
getheilt und den Sold gewährt^* Beides, der Druck des Vol- 
kes und die Lohnzahlung, von denen Herodot erzählt hatte, 
wird hier gut genug bezeugt, wenn auch in sehr fremdem Zu- 
sammenhange. An der Identität von Philitis mit diesem in der 
authentischeren armenischen Uebersetzung des Josephus Silitis ^ 
genannten Hyksoskönige wird man aber um so weniger zweifeln 
dürfen, als die Erinnerung an ,Set Salati' ,den guten Gott, 
den Stern beider Welten, den Sohn^der Sonne^ durch Statuen 
und Inschriften, deren je eine auch auf uns gekommen ist, ® den 
Egyptern lebendig erhalten wurde. In der That hat derselbe 
nach Herodot's Worten in der Landschaft — xaia la x<i>P^^ — 
der Pyramiden, nämlich in Memphis, gelebt. 



1 Die beste Edition dieses einzigen echten Stückes von Manetho^s Text 
(ans Josephns c. Apion I, 14—27) bringt Bnnsen, Egjptens Stellung III. 
Urkundenb. 42. 

2 OÜto? iv T^ M^fi^iBi xaTSY^vero xijv ts avco xai xettw /^oSpav SaajjLoXoyüiv. 
' Brngsch in der egjptischen Zeitschrift 1872, S. 19. 

* — 9iT0[jL£Tpcov xat (jLioBo^opfav 1CapE/^^{l.£V0(. 
^ Bunsen a. a. O. S. 42, Anm. 6. 
« Vgl. Ebers 202. 



[585] Zar egyptischen Forschung Herodot^s. 25 

Inzwischen ist noch ein anderes, derselben Hyksosepoche 
angehöriges Element unserem Geschichtschreiber in seine Erzäh- 
lung von den Pyramidenkönigen eingefügt worden. Cheops^ 
sagt er (II, 124), ,schlos8 die Tempel zunächst, um alle Egypter 
an den Opfern zu hindern, dann um sie für sich arbeiten zu 
lassend Während Cheops' und seines Bruders ganzer Regie- 
rung hundert und sechs Jahre lang, sagt er später (II, 128) 
habe diese ,Bosheit^ gedauert und seien ,die Tempel geschlossen 
und nicht geöflfnet worden^. 

In der That berichtet dem Entsprechendes ein so unver- 
werfliches Actenstück, wie Papyrus Sallier n. I., von dem 
letzten in Egypten anerkannten Hyksoskönige Apepi oder 
Apophis, von eben dem Könige also, gegen welchen die Egyp- 
ter unter Raskenen sich zuerst mit Glück erhoben, wie Haupt- 
mann Ahm es in seiner Autobiographie so anschaulich erzählt. 
,König Apepi^, meldet der Papyrus, ,erwählte sich Gott 8et zum 
Herrn und diente keinem andern Gott, welcher in Egypten 
war^ Da sein Gesandter die ausschliessliche Anerkennung Set's 
auch von Raskenen in Oberegypten gefordert zu haben scheint, — 
denn ganz sicher ist der Inhalt der Botschaft noch nicht fest- 
gestellt — befragte dieser eine Notablenversammlung. ,Siehe^ 
,man rief mit 6inem Munde: grosse Bosheit ist das'. ^ 

Die Verdrängung der egyptischen Culte und die ,Bosheit' 
des Königs sind sonach auch klar genug. 

Um aber jeden Zweifel zu heben, gibt Herodot (II, 128) 
als Gesammtzahl dieser bösen Regierungen ,nach egyptischer 
Rechnung 106 Jahre' — selbstverständlich, da er Cheops fünf- 
zig und dessen Bruder sechsundfünfzig Jahre zutheilt. Die Be- 
tonung der Summe erklärt sich aber, wenn man in Eusebius' 
Auszuge aus Manetho^ liest, dass die siebzehnte, aus den ein- 



1 Uebersetzung von Ebers I, 205 flgde. 

2 Bei Hieronymus (ed. Schöne 16) 103 (Var. 104) Jahre; bei dem Syn- 
kellos (I, 114 sq. ed. Bonn) auch 103, eine Variante Goar's aus cod. A, 
bei Bansen 26, gibt aber dem zweiten Könige 43 statt 40, damit Allen 
gerade 106 Jahre. Wenn übrigens der Synkellos den hier ganz unbrauch- 
baren Aufstellungen des Africanus, um den Josefmythus (vgl. Sitzungsber. 
November 1872, S. 27) chronologisch unterzubringen, den Vorzug gibt 
und Eusebius wacker schilt, so ist das heiter genug. Dass ihm aber 
Scaliger's Genius (Syncel. II, 388), neuerlich Bunsen (Egypten IV, 16) 
und Andere nachschreiben konnten, ist beklagenswerth. 



26 Büdinger. Zur egyptischen Forschang derodot's. [586] 

zigen^ in Egypten canonisch anerkannten vier Königen der 
Hirtenfursten bestehende Dynastie eben hundert und drei, vier 
oder sechs Jahre regiert habe; die Namen dieser vier Könige 
muss freilich Herodot bei der vergeblichen Priestervorlesung auch 
gehört haben. Gegenseitig bestätigen sich hiemit aber nicht nur 
Herodot und Eusebius, sondern Beide beweisen aufs Neue die 
Genauigkeit Manetho's in jenem einzigen, authentisch auf uns 
gekommenen Texte. ^ Denn wie verderbt auch sonst die Zahlen 
überliefert sind, die 106 Jahre enden auf alle Fälle innerhalb 
der Regierung des Apophis. ^ 

Hat sich nun gezeigt, dass die hasserfüllte Erinnerung an 
die semitischen Herrscher sich an den unverständlich gewor- 
denen Wunderbauten der Vorzeit bei den Egyptem des fünften 
Jahrhunderts fixirt hatte, so macht auch die verwunderliche 
Geschichte von Cheops' Tochter (H, 126), die fiir ihren geld- 
bedürftigen Vater schmählich erworben habe, keine Schwierig- 
keit mehr. Denn in dem schmählichen Dienste der Bilit, ^ oder 
in griechischer Umformung Mylitta, waren die Frauen, wie 
unser Autor selbst aus Babylon (I, 199) berichtet, in der That 
religiös verpflichtet, ein Geldstück zu nehmen. Herodot's Be- 
richt von Cheops' Tochter dürfte aber ein Zeichen sein, dass 
auch dieser Dienst unter den Hyksos in Egypten üblich war. 



1 Deshalb betont Manetho a. a. O.: nipa.^ jilv ßaaiX^a Iva 15 auTtuv i;co{7j<jav 
und ouToi {xlv 15 Ev auTott; iyevijOTjdav jcptoToi «s/^ovtc;. Aber nur die vier 
ersten sind canonisch anerkannt; die beiden letzten gehören in die Eampf- 
epoche. 

2 Das nächstfolgende Excerpt erweist sich daher schon durch den wider- 
sinnigen Zusatz zu der Erwähnung der sechs Hirtenkönige xal tou? i? 
auTüSv yevofx^vou? als verdächtig. 

3 Die beiden ersten Könige haben (Bunsen in, ürk. 48) nach der arme- 
nischen Uebersetzung 15-f-43=ö8, nach unserem griechischen Text 19-f- 
44=63 Jahre, der dritte in beiden 36 J. und 7 Monate = 94 oder 99 J. 
und 7 Mon. Der vierte König ist eben Apophis mit 61 Gesammtjahren ; 
dass er seit dem Beginne des Krieges durch Raskenen nicht mehr als 
legitimer König gezählt ward, scheint selbstverständlich. 

* Schrader, die Keilinschriften und das alte Testament (Giessen, 1872), S. 82. 



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